• 24.08.2026

Nachhaltige Stadtentwicklung: Rolle des GaLaBaus

Nachhaltige Stadtentwicklung ist auch eine Frage der Generationengerechtigkeit: Städte müssen ökologische, ökonomische und soziale Bedürfnisse von heute erfüllen und zugleich das Wohl künftiger Generationen sichern. Grüne Infrastruktur, Flächenentsiegelung, Regenwassermanagement und Stadtökologie sind zentrale Hebel – und damit Aufgaben für den Garten- und Landschaftsbau. Orientierung bietet die Messe GaLaBau oder kommunale Vorreiter wie Bad Saulgau, einer Kur- und Bäderstadt im Süden Baden-Württembergs. Umweltbeauftragter Martin Sauter gibt dort Einblicke aus der jahrzehntelangen Praxis.

Geschrieben von Karsten Köber

Vorher-nachher: Straße ohne Grün vs. mit Bäumen und Regenrinne

35 Jahre Erfahrung mit nachhaltiger Stadtentwicklung

Martin Sauter ist frischgebackener Umweltbeauftragter von Bad Saulgau, einer Stadt mit rund 20.000 Einwohner:innen, und geht seine Aufgabe mit Herzblut und Energie an. Dabei muss er gar kein radikaler Umkrempler sein, sondern kann auf die Arbeit seiner Vorgänger aufbauen. „Ich arbeite erst seit November 2025 für die Stadt Bad Saulgau“, erklärt er, „aber ich kann mich auf die qualifizierte Vorarbeit meiner ehemaligen Kollegen Thomas Lehenherr und Jens Wehner stützen. Innerhalb der letzten 35 Jahre wurde ein fünfsäuliges Biodiversitätskonzept für unsere Kommune nicht nur erstellt, sondern auch vollständig umgesetzt. Damit wurde eine Stadtentwicklung der Zukunft in die Wege geleitet.“

Die fünf Säulen in Bad Saulgau sind:

  • Naturlehrpfade und Naturwanderwege einrichten
  • Gewässerrenaturierung vorantreiben
  • Schaffung von Biotopanlagen und Feuchtgebieten
  • Umwandlung von Einheitsgrün in artenreiches Grün im Siedlungsbereich
  • Eröffnung eines Naturthemenparks

Weitere Informationen und vertiefende Einblicke bietet die Website der Stadt Bad Saulgau.

 

Grüne Infrastruktur: Aufgaben für den GaLaBau

Doch wie können Landschaftsgärtner:innen bei der Umsetzung dieses Konzeptes unterstützen? Dazu sagt Martin Sauter: „Klassische GaLaBau-Unternehmer:innen müssen ihre bisherige Denkweise ad acta legen. Sie müssen offen für Neues sein. In der Zusammenarbeit mit Vertreter:innen der Stadt Bad Saulgau geht es nicht darum, die Natur zu zähmen oder zu formen, sondern der Natur Räume zur freien Entwicklung zur Verfügung zu stellen.“

Begriffe wie Flächenentsiegelung und Stadtbegrünung sind dabei wichtige Schlagworte. Bei Arbeiten in diesem Umfeld werden die Landschaftsgärtner:innen intensiv begleitet, durch Verantwortliche der Kommune und zuweilen auch durch beauftragte Wissenschaftler:innen. Zentral ist auch ein vorausschauendes Regenwassermanagement – dazu finden sich auf der Website des Umweltbundesamtes viele weiterführende Informationen.

 

Neue Arbeitsfelder in der Stadtökologie für Landschaftsgärtner:innen

„Nachhaltige Stadtentwicklung kann auch zu neuen Aufträgen für GaLaBau-Betriebe führen“, betont Martin Sauter abschließend. „In Bad Saulgau ist beispielsweise geplant, die zwingende Flachdachbegrünung in Bebauungspläne aufzunehmen. Selbstverständlich sind dann qualifizierte Unternehmen gefragt, diese Grünarbeiten fachgerecht auszuführen.“

Wenn Sie tiefer in das Thema Klimaanpassung urbaner Räume einsteigen möchten, empfehlen wir Ihnen auch unser Interview mit Fachfrau Claudia von Freyberg – hier geht’s direkt zum zugehörigen Blogartikel.

Autor

Porträt von Karsten Köber
Karsten Köber
Gärtner, Landschaftsarchitekt und Journalist, Inhaber des Büros projekkt.com in Karlsruhe